Allgemeine Finanzinformationen für Deutschland. Konditionen, steuerliche Regeln und persönliche Voraussetzungen können sich unterscheiden. Diese Inhalte ersetzen keine individuelle Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.
Wenn du für einen Kredit, eine Miete oder eine Unternehmensschuld bürgst, stehst du gegenüber dem Gläubiger für die Schuld einer anderen Person oder Firma ein. Die Person oder Firma, die die Schuld aufgenommen hat, heißt Hauptschuldner. Zahlt sie nicht, kann der Gläubiger unter den gesetzlichen und vertraglichen Voraussetzungen Geld von dir verlangen und die Forderung aus deinem Einkommen oder Vermögen vollstrecken lassen.
Wann der Gläubiger Geld von dir verlangen kann und wie viel, hängt vom Bürgschaftsvertrag und von der Art der Bürgschaft ab. Für private Bürgschaften gelten teilweise andere Regeln als für Bürgschaften im Handelsgeschäft. Bei einer Unternehmensfinanzierung solltest du unterscheiden zwischen der Haftung des Unternehmens und einer zusätzlichen persönlichen Bürgschaft.
Welche Schulden die Bürgschaft abdeckt
Nach § 765 BGB haftet der Bürge gegenüber dem Gläubiger für die Schuld einer anderen Person oder Firma. Die Bürgschaft kann auch künftige oder an bestimmte Bedingungen geknüpfte Schulden absichern. Prüfe deshalb die aktuellen Schulden und alle weiteren Forderungen, die der Vertrag umfasst. Eine Bürgschaft für einen einzelnen Kredit deckt weniger ab als eine Vereinbarung für einen größeren Forderungsrahmen.
Nach § 767 BGB richtet sich die Pflicht des Bürgen grundsätzlich danach, welche Hauptschuld besteht. Hinzukommen können Kosten für eine Kündigung und für rechtliche Schritte, wenn der Hauptschuldner diese Kosten dem Gläubiger ersetzen muss. Eine vereinbarte Höchstgrenze kann deine Haftung begrenzen. Entscheidend ist, ob sie auch Kosten einschließt und für welche Forderungen sie gilt.

Wann der Gläubiger Zahlung verlangen kann
Bei einer gewöhnlichen Bürgschaft kann der Bürge grundsätzlich die sogenannte Einrede der Vorausklage erheben. Damit verlangt er, dass der Gläubiger zuerst erfolglos versucht, die Forderung durch Vollstreckung in das bewegliche Vermögen des Hauptschuldners einzutreiben. Der Bürge muss diesen Einwand selbst geltend machen. Er verhindert nicht automatisch, dass der Gläubiger Geld von ihm verlangt.
Bei einer selbstschuldnerischen Bürgschaft kann der Bürge diese Einrede nicht erheben. Das gilt auch in weiteren gesetzlich geregelten Fällen, etwa wenn ein Insolvenzverfahren über das Vermögen des Hauptschuldners eröffnet wurde. Wann der Gläubiger Zahlung verlangen kann, hängt außerdem davon ab, wann die abgesicherte Schuld fällig ist und welche Bedingungen im Vertrag stehen. Der Titel „selbstschuldnerische Bürgschaft“ allein sagt daher nicht, wann der Gläubiger Zahlung verlangen kann.
Was nach einer Zahlung passiert
Wenn du als Bürge zahlst, erhältst du grundsätzlich in Höhe deiner Zahlung den Anspruch gegen den Hauptschuldner. Du kannst dann versuchen, das Geld von der Person oder dem Unternehmen zurückzufordern, für die oder das du gebürgt hast. Das hilft dir finanziell aber nur, wenn der Hauptschuldner zahlen kann und sich das Geld zurückfordern lässt.
Du kannst also nicht sicher davon ausgehen, dass du deine Zahlung vom Hauptschuldner zurückbekommst. Rechne vor deiner Unterschrift damit, dass du den Betrag selbst tragen musst. Das gilt besonders, wenn du für eine Person bürgst, die möglicherweise nicht zahlen kann.
Was du vor der Unterschrift prüfst
Nach § 766 BGB muss eine Bürgschaftserklärung grundsätzlich schriftlich abgegeben werden. Eine elektronische Erklärung reicht dafür grundsätzlich nicht aus. Das Handelsgesetzbuch macht eine Ausnahme, wenn die Bürgschaft für den Bürgen ein Handelsgeschäft ist. Dass die Bürgschaft einen Unternehmenskredit absichert, macht sie allein noch nicht zu einem Handelsgeschäft.
Lies den Vertrag vor der Unterschrift vollständig. Kläre dabei besonders diese Punkte:
- Welche konkrete Schuld oder welcher Forderungsrahmen ist abgesichert?
- Gibt es eine Höchstgrenze, und sind mögliche Kosten darin enthalten?
- Ist die Bürgschaft selbstschuldnerisch?
- Ist sie befristet oder an bestimmte Ereignisse gebunden?
- Welche Voraussetzungen nennt der Vertrag für eine Inanspruchnahme oder eine Beendigung?
Lass dir unklare Vertragsstellen erklären und bewahre eine vollständige Kopie des Vertrags auf. Ob eine Klausel gilt und was sie umfasst, hängt vom Vertrag und den Umständen des Einzelfalls ab.

Was eine Inanspruchnahme für dich bedeutet
Kann der Gläubiger seinen Anspruch durchsetzen, kann er auf dein Vermögen zugreifen. Für Arbeitseinkommen gelten Regeln zum Pfändungsschutz. Sie schützen aber nicht den gesamten Lohn und heben deine Bürgschaft nicht auf.
Laut Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung 2026 beträgt der monatliche Ausgangsbetrag, der ab dem 1. Juli 2026 nicht gepfändet werden darf, 1.587,40 Euro. Unterhaltspflichten verändern die Berechnung. Weitere Beträge und Tabellen legen fest, welcher Teil des Einkommens im konkreten Fall gepfändet werden darf. Der Ausgangsbetrag allein zeigt deshalb nicht, wie viel von deinem Lohn geschützt ist.
Wann eine Bürgschaft sittenwidrig sein kann
Nach § 138 BGB sind sittenwidrige Rechtsgeschäfte nichtig. Ob das auf eine Bürgschaft zutrifft, hängt davon ab, unter welchen Umständen der Vertrag geschlossen wurde und wie die finanzielle Lage des Bürgen war. Eine hohe Bürgschaft oder eine Bürgschaft ohne Bezahlung ist nicht automatisch unwirksam.
Der Bundesgerichtshof hat 2018 entschieden, dass eine Bürgschaft durch einen Arbeitnehmer nicht schon deshalb regelmäßig sittenwidrig ist, weil die Person ihren Arbeitgeber unentgeltlich unterstützen oder ihren Arbeitsplatz behalten will. Das Urteil gilt für eine bestimmte Fallgruppe. Es schützt nicht allgemein Angehörige, Beschäftigte oder andere private Bürgen. Wenn du prüfen lassen willst, ob eine bereits unterschriebene Bürgschaft wirksam ist, brauchst du den Vertrag und eine rechtliche Einschätzung deiner konkreten Situation.
Was sich bei Unternehmen unterscheidet
Bei einer GmbH haftet grundsätzlich das Vermögen der Gesellschaft für ihre Schulden (§ 13 GmbHG). Unterschreibt eine Geschäftsführerin, ein Geschäftsführer oder eine Gesellschafterin zusätzlich eine persönliche Bürgschaft, haftet diese Person selbst gegenüber dem Gläubiger. Die Haftungsbeschränkung der GmbH schützt nicht vor Ansprüchen aus dieser persönlichen Bürgschaft.
Auch bei einer betrieblichen Finanzierung entscheidet die Verwendung des Kredits nicht allein darüber, welche handelsrechtlichen Regeln für die Bürgschaft gelten. Nach § 349 HGB kann der Bürge die Einrede der Vorausklage nicht erheben, wenn die Bürgschaft für ihn ein Handelsgeschäft ist. Unter bestimmten Voraussetzungen kann § 350 HGB auch eine Ausnahme von der Schriftformpflicht erlauben. Ob ein Geschäftsführer oder Gesellschafter mit der Bürgschaft ein Handelsgeschäft tätigt, hängt von den konkreten Umständen ab.
Bei betrieblichen Verträgen solltest du deshalb einzeln prüfen, wer den Kredit aufnimmt, wer die Bürgschaft unterschreibt und welche Forderungen sie abdeckt. Die Gesellschaft haftet aus ihrer eigenen Verpflichtung. Die Person, die unterschreibt, haftet aus ihrer persönlichen Verpflichtung.
Was ein Förderkredit tatsächlich absichert
Für das KfW-Produkt „ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge“ (Nr. 077) nennt die KfW eine Finanzierung von bis zu 500.000 Euro je Antragstellerin oder Antragsteller. Sie ist auf 35 Prozent der förderfähigen Kosten begrenzt. Laut Produktbeschreibung haftet der Kreditnehmer persönlich. Eine Bürgschaftsbank übernimmt eine 100-prozentige Garantie.
Die Garantie der Bürgschaftsbank sichert die Finanzierungspartner ab. Sie bedeutet nicht, dass der Geschäftsführer persönlich bürgt. Laut Produktbeschreibung haftet der Kreditnehmer trotzdem persönlich. Diese Angaben gelten für das genannte Förderprodukt und nicht automatisch für andere KfW-Kredite oder betriebliche Finanzierungen. Prüfe vor dem Antrag die aktuellen Bedingungen des jeweiligen Produkts.
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